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Chris in Australien: Neues Zuhause auf vier Rädern

Chris Riedel 10. Oktober 2018 15:13

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    Trotz tierischer Erlebnisse: Chris möchte raus aus Sydney...

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    Zum Glück findet der 24-Jährige einen umgebauten Van, den er „Gooney“ tauft...

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    ... und der ihm sogar eine Schlafgelegenheit bietet.

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    Zusammen mit Kiwi, Luigi und Pokémon Botogel fahren Chris und Gooney Richtung Newcastle.

Teil 3 Nachdem der anfängliche Stress nun vorbei ist und ich mich langsam, aber sicher an das Leben in Down Under gewöhnt habe, stehen nun einige wichtige Dinge auf meiner To-do-Liste. Bevor meine Reise überhaupt losgehen kann, muss erst mal ein Transportmittel her. Mit anderen Worten, ein Auto muss her.

Dabei muss man gerade hier in Australien gefühlt tausend Sachen beachten, damit am Ende nichts schiefgeht. Zunächst einmal muss ich ein geeignetes Auto für mich finden. Viele Australier empfehlen ein Auto mit Allradantrieb, damit man auch abseits der Straßen fahren kann.

Schön und gut, aber selbstverständlich fressen diese Fahrzeuge auch dementsprechend viel Sprit. Hinzu kommt, dass diese meist einem Jeep ähneln und somit zwar gut fahrbar sind, aber im Inneren nur wenig Stauraum haben. Ich möchte natürlich nicht nur mit meinem Auto fahren, sondern auch hin und wieder mal darin übernachten. Bei Jeeps wird daher oftmals im Dach-Zelt geschlafen. Aber ganz ehrlich: nicht mein Stil.
Ich stelle mir eher einen Camper-Van vor, in dem mindestens zwei Personen schlafen und reisen können. Doch woher bekommt man solch einen? Ganz einfach: Facebook.

Jedes Jahr kommen tausende Backpacker nach Australien, um den roten Kontinent unsicher zu machen. Und alle, die länger bleiben, schaffen sich ein Auto an. Viele Autos, die man auf Facebook in Backpacker-Gruppen findet, werden mit kompletter Camping-Ausrüstung verkauft und sind im Innenraum bereits für alle Bedürfnisse eines Backpackers ausgebaut.

300.000 km? Das gilt nur als „leicht verbraucht“

Nachdem man dann ein Auto gefunden hat, das den eigenen Vorstellungen entspricht, muss man einige Dinge beachten: Kilometerstand, Preis und „Rego“. Jeder Europäer, der sich die Kilometerstände der Autos hierzulande anschaut, wird wahrscheinlich zunächst erschrocken sein. Die Kilometerstände hier sind deutlich höher, als es bei uns üblich ist. Ein Stand von 300.000 gefahrenen Kilometern ist hier keine Seltenheit und erst dann gilt hier ein Auto als „leicht verbraucht“. Aber auch 500.000 km oder gar 800.000 km laufen, beziehungsweise fahren, einem hin und wieder über den Weg. Die Autos halten hier eben länger als bei uns.

Nun zum Preis. Viele Verkäufer sind ebenfalls Backpacker und wollen natürlich ihr Auto zu einem guten Preis weiterverkaufen. Meist ist der Preis aber verhandelbar und er variiert sowieso je nach Alter und Zustand des Fahrzeugs.

Besonders wichtig ist die sogenannte Rego. Diese kann man in etwa mit dem TÜV gleichsetzen – die Zulassung des Fahrzeugs. Da muss man genau darauf achten, in welchem australischen Bundesstaat das Auto registriert ist. Die Rego für ein Auto läuft meistens ein Jahr bis sie erneuert werden muss. In New South Wales beispielsweise muss man vor der Verlängerung das Auto durchchecken lassen.

Besteht es den „TÜV“ nicht, kann man die Rego nicht verlängern und muss ggf. Reparaturen vornehmen. Zudem kann man die Rego nur dann verlängern, wenn man sich zurzeit in New South Wales befindet. Befindet man sich also zum Zeitpunkt, in dem man die Rego verlängern muss, am anderen Ende von Australien, muss man theoretisch zurückfahren, um alles zu verlängern. Eine Umschreibung in einen anderen Bundesstaat ist aufwendig und sehr teuer. Es gibt jedoch einige Bundesstaaten wie Western Australia und South Austria, wo man die Rego ganz bequem online und ohne jegliche Inspektion verlängern kann. Somit sehe ich mich bevorzugt nach einem Auto mit einer Registrierung in Western Australia um.

Nach ein paar Tagen Suchen finde ich ein passendes Angebot. Sowohl der Preis als auch alle meine anderen Ansprüche stimmen mit dem Angebot des Verkäufers überein. Wie geht es weiter?

Doch dann läuft es nicht so, wie geplant

Über Facebook vereinbare ich einen Termin zu Besichtigung des Fahrzeugs. Doch es läuft nicht ganz so, wie geplant. Ich fahre also zum vereinbarten Treffpunkt. Kaum komme ich dort an, bekomme ich eine Nachricht vom Verkäufer, in der er mir mitteilt, dass er das Auto gerade an jemanden anderen verkauft hat. Sehr ärgerlich!
Natürlich laden sich die Verkäufer immer mehrere Interessenten an einem Tag ein. Und wer zuerst kommt und entsprechend zahlen kann, bekommt das Auto. Nachdem mir das soeben beschriebene Szenario ganze vier Mal passiert ist, überkommt mich langsam ein bisschen die Verzweiflung. Ich möchte nämlich langsam aber sicher aus Sydney weg.

Beim fünften Auto habe ich Glück. Ich bin nämlich der Erste an diesem Tag, der das Auto besichtigt. Es handelt sich dabei um einen ausgebauten Mitsubishi Express Camper Van aus dem Jahr 2001 mit knappen 250.000 km und einer Western Australia Rego.

Nach einer Probefahrt und gründlicher Inspektion kaufe ich dem Pärchen aus den Niederlanden das Auto für 4500$ (ca. 2770€) ab. Damit habe ich nun mein neues Zuhause auf vier Rändern gefunden. Es hat lange gedauert, aber es hat sich gelohnt. Der Camper ist von innen komplett ausgebaut und verfügt über ein echtes Doppelbett inklusive Matratze, Camping-Zubehör und allem, was man so zum Leben benötigt. Ich taufe meinen Weggefährten aus Blech auf den Namen Gooney. Warum ich mich für diesen Namen entschieden habe? Das erzähle ich vielleicht bald. Nun kann die Reise beginnen. Nächster Halt: Newcastle.
Chris Riedel (24, Herten) kennen vielleicht noch einige von früher. Vor zwei Jahren berichtete er bei uns von seinem viermonatigen Aufenthalt in Neuseeland. Nun geht’s länger am Stück weg: Ein Jahr will Chris als Work-and-Traveller durch Australien reisen. Bei Scenario erzählt er jetzt also von seinen Erlebnissen auf dem roten Kontinent.

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