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Interview mit David Guetta: "Man kann wohl nicht alles haben"

Steffen Rüth 21. September 2018 10:42

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    Der Großmeister des Elektro: David Guetta.

Seit 15 Jahren sorgt David Guetta, einer der reichsten und erfolgreichsten DJs und Produzenten, für Welthits – und legt im Schnitt fünfmal die Woche auf. „Nebenbei“ bringt er noch das neue Album „7“ raus. Aus den Zutaten Funk, Soul, Hip-Hop, Electro und Pop rührt der 50-Jährige ein Werk aus guten Melodien und Knalleffekten zusammen. Scenario durfte den Elektro-Großmeister treffen und fragte direkt nach, ob er auch mal einen freien Abend hat…

Scenario: David, Du arbeitest, während alle anderen Leute feiern. Wann hattest Du zuletzt einen freien Abend?
David Guetta:
Gestern! Ich war zuhause und habe mit ein paar Freunden Pizza bestellt und Filme geguckt. Ganz normal. Es war herrlich.

Scenario: Wie oft kommt so etwas vor?
David Guetta: Ich lege meistens an fünf Abenden pro Woche auf und habe zwei Tage frei. Theoretisch zumindest. Jetzt gerade habe ich fast rund um die Uhr an meinem neuen Album gearbeitet, weil es fertig werden musste.

Scenario: Du hast Häuser auf Ibiza, in Los Angeles, in London und eine Wohnung in Dubai. Wie darf man sich Dein Leben vorstellen?
David Guetta:Im Sommer wohne ich meist auf Ibiza, ich lege da montags und donnerstags auf und spiele im Schnitt drei weitere Shows irgendwo in Europa. Auf Ibiza bin ich am liebsten, ich mag mein Haus hier gerne, und die Shows sind grandios. Ab Herbst gehe ich nach Los Angeles, von wo aus ich schnell in Las Vegas bin, wo ich regelmäßig auftrete. Außerdem schreibe ich in LA die meisten meiner Songs und bin häufig im Studio. Von Dubai aus bearbeite ich Asien. Und in London leben meine Kinder und meine Ex-Frau. Dort habe ich mein Familienleben.

Scenario: Vier Wohnsitze, vier verschiedene Leben?
David Guetta: Schon, ja. In Dubai ist es meist am Entspanntesten. Mein Leben ist niemals langweilig oder eintönig, jeder Tag ist anders.

Scenario: Macht Dich das glücklich?
David Guetta: Ich bin schon glücklich… aber ich weiß nicht. Wir Menschen brauchen eine Routine. Manchmal fehlt mir das. Länger an einem Ort sein, jeden Abend zur selben Zeit schlafen gehen, jeden Morgen zur selben Zeit aufstehen. Gewohnheiten, die eigentlich nicht besonders aufregend sind, die vermisse ich in meinem Leben. Ich denke, man kann wohl nicht alles haben!

Scenario: Die meisten Menschen würden sicher gerne mit Dir tauschen…
David Guetta: Ja, das würden sie wohl. Es ist mir nur wichtig zu erklären, dass ich hart für mein Leben arbeite, sehr hart. Immer noch. In den letzten drei Monaten habe ich höchstens mal drei Tage lang gar nichts gemacht. Ich arbeite wirklich nonstop.

Scenario: Was ist Deine Motivation?
David Guetta: Die geilsten und tollsten und krassesten Songs zu machen, zu denen ich fähig bin. Manchmal, nach 15 Stunden im Studio, denke ich auch „Mensch, es reicht langsam. Du könntest langsam ins Bett gehen.“ Aber mich hinzulegen, ohne die beste Musik abgeliefert zu haben, die ich machen kann, das würde mich fertigmachen.

Scenario: Was ist das für ein Gefühl, wenn ein Song fertig ist und Dir gefällt, etwa die Single „Don’t Leave Me Alone“?
David Guetta: Ein wunderbares. Du fängst bei jedem neuen Song von null an. Und dann ist es spätnachts, die Nummer ist fertig, sie ist genial, und du denkst: „Den Song gab es heute Morgen noch nicht, und in wenigen Wochen wird er der Welt viel bedeuten.“ Das ist magisch, du fühlst dich groß.

Scenario: Dein Album heißt „Seven“. Gibt es dafür Gründe, abgesehen davon, dass es Dein siebtes ist?
David Guetta: In der Bibel hat Gott sieben Tage gebraucht, um die Welt zu erschaffen. Die Sieben ist eine runde, positive Zahl. Und für mich ist dieses Album der komplette David. Es ist ein Doppel-Album, eins ist mit Pop und das andere mit stärker am Underground orientierter Electronic Musik gefüllt. Das ist für mich die Rückkehr zu den Wurzeln. Also ist es fast ein neuer Start. Überhaupt, so fühle ich mich auch: neugeboren.
 

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